Entstehungsgeschichte

 

LASS ES UNS EINFACH MACHEN!

Immer wieder in ihrem Leben begegneten Ulla Geiger Näheängstlinge. Der erste war der Vater. Mit 20 Jahren hat sie dann angefangen, sich mit Psychologie zu beschäftigen. Unter anderem fand sie heraus, dass die Familienkonstellation von Männern mit Näheängsten immer eine ähnliche ist. Der Vater war der Mutter nicht wirklich zugewandt. Das kann sich durch Fremdgehen geäußert haben aber auch schlicht durch Rückzug in Arbeit oder sein Inneres. Die Mutter – anhänglich bis übergriffig – fühlte sich alleingelassen. Um doch noch Liebe zu bekommen, hat sich dem kleinen Sohn zugewandt. Und so wurde der kleine Prinz unfreiwillig zum Partnerersatz und stand dieser Forderung hilflos gegenüber. Dieses unangenehme Gefühl wird dann beim erwachsenen Mann in dem Moment getriggert, in dem eine Frau etwas von ihm will (Erwiderung ihrer Gefühle, Ehe, Kinder etc.) Weil das Problem ohne Lösung in seinem Unterbewusstsein abgespeichert ist, bleibt ihm nur die Flucht. Die Zusammenhänge verstehen weder er selbst noch die betroffene Frau. Die Männer werden von den Frauen beschimpft und gehasst, obwohl sie letztlich nichts dafür können.

Mit 30 Jahren Ulla Geiger wollte vom Klappe-Schlagen aufwärts lernen, wie man Filme macht, denn sie hatte herausgefunden, das ist es für sie! Aber es entwickelte sich kein gerader Weg. Nach 10 Jahren Regieassistenz ging es über Kabarett zur Schauspielerei und parallel über einen Demobandservice zu Schnitt und Regie. In Kurzfilmen (Regie, Kamera, Licht und Schnitt) hat sich eine spezielle Arbeitsweise entwickelt: Die Improvisation und das Mitspielen der Regisseurin aus dem Off.

Der Plot zu diesem Film entstand 2014. Ulla Geiger hat Michael Ransburg als Hauptrolle KURT ins Boot geholt und ihn erst mal in einem Kurzfilm ausprobiert. Ab da waren sie zu zweit und wollten diesen Stoff umsetzen. Aber wie sollten sie das angehen!? Im Juni 2015 hat Michael dann bei einem Treffen im Cafe gesagt: Wenn wir ewig auf günstige Umstände warten, wird das nie was: LASS ES UNS EINFACH MACHEN!

In einem Schwall von Vorahnung, was da auf sie zukommt (hat sich bewahrheitet!) dachte Ulla Geiger OH GOTT! Zu Hause hat sie aber sofort begonnen, das Drehbuch zu schreiben und die Rollen zu besetzen. Der KURT-„Zug“ war losgefahren und nach und nach sind immer mehr Leute eingestiegen.

Der Film bekam den Arbeitstitel KURT SUCHT SICH SELBST und wurde als reiner Independentfilm geplant. Er sollte ohne Förderungen und Senderbeteiligung verwirklicht werden. Förderungen und Sender haben bestimmte Vorstellungen, die sich meist an Besucherzahlen und Einschaltquoten orientieren. Es sei ihnen unbenommen, aber so fallen oft unkonventionelle Konzepte und Besetzungen mit unbekannteren Schauspielern durch den Rost.

Bei diesem Projekt wäre es auch schwierig gewesen, den fertigen Film durch ein Drehbuch zu vermitteln. Die Schauspieler sollten improvisieren und so einen großen kreativen Anteil haben. Es sollte innerhalb einer Dramaturgie Luft und freier Raum für nicht vorhersehbare Entwicklungen und Intuition sein! Intuitives Vorgehen ist unabdingbar in der Kunst. Aber nicht nur in der Kunst … auch in der Unternehmenskultur wird Intuition zusehens geschätzt. Es erweist sich, dass sie nicht zu Chaos führt, sondern förderlich ist. Es ist ein Trend der Zeit, der in die richtige Richtung geht.

Viel Glück war auch im Spiel: Mit Schauspielern, denen Stoff und Rolle gefiel, mit tollen Motiven, mit kompetenten alten Hasen wie Hans Albrecht Lusznat an der Kamera und Uwe Bendixen BENDIXEN MEDIA SERVICE für die Postproduktion. Da gespart werden musste, war das Team sehr klein aber fein. Ulla Geiger kramte ihre in 10 Jahren Regieassistenz angesammelten Kompetenzen in puncto Dreh-Organisation zusammen und machte selbst die Produktionsleitung und die Motivsuche. Zusätzlich zur Regie war das schon ein Kraftakt! (Einmal musste sie sogar selbst Sandwiches schmieren)

Aber … geschafft!