so fing’s an

 
Radiointerview zur Entstehungsgeschichte auf Ulla Geigers Lieblingssender egoFM -20.8.2018:

 
1. Trailer Ende 2016

 

SO ENTWICKELTE SICH DAS THEMA „NÄHEÄNGSTE“

Mit Anfang 20 fing Ulla Geiger an, sich mit Psychologie zu beschäftigen. Unter anderem fand sie heraus, dass die Familienkonstellation von Männern mit Näheängsten immer eine ähnliche ist: Die Mutter fühlt sich von einem abgewandten Vater alleingelassen und ungeliebt. Das Abwenden kann sich durch Fremdgehen geäußert haben, durch Rückzug in Arbeit, Verlassen der Familie oder schlicht durch ausgiebiges Schweigen. Um doch noch Liebe zu bekommen, wandte sich die Mutter ihrem kleinen Sohn zu. Kinder müssen die Eltern ja schließlich lieben! Und so wurde der kleine Prinz unfreiwillig zum Partnerersatz. Da ein kleiner Junge keine Partnerersatz sein kann, fühlte er sich in der Rolle unangenehm, hilflos und überfordert. Kinder können die Probleme der Eltern nicht lösen. Das tragische ist aber, dass sie es versuchen … und natürlich scheitern. Diese Zusammenhänge werden im Unterbewusstsein eingeschlossen und das Einzige, was der erwachsene Mann von dem ganzen Drama noch wahrnimmt, ist ein Unwohlgefühl, in dem Moment, in dem eine Frau – von ihm so gefühlt – Forderungen an ihn stellt. Sie möchte vielleicht die Erwiderung ihrer Gefühle, heiraten, Kinder etc. Dann bleibt diesem Mann meist nur die Flucht aus der unerträglichen Situation. Die Zusammenhänge verstehen weder er selbst noch die betroffene Frau. Die Männer werden von den Frauen meist beschimpft und gehasst, doch letztlich können sie nichts dafür. Die gleiche Konstellation gibt es auch andersherum – dann ist die Frau diejenige, der es zu eng wird.

DAS LERNEN IN DER FILMBRANCHE

Nach einem Kunststudium fand Ulla Geiger heraus, dass sie Filme machen wollte, und begann vom Klappe-Schlagen an aufwärts zu lernen, wie man das macht. Aber es entwickelte sich kein gerader Weg. Nach 10 Jahren Regieassistenz ging es über Kabarett zur Schauspielerei und parallel über einen Demobandservice zu Schnitt und Regie. In Kurzfilmen (Regie, Kamera, Licht und Schnitt) hat sie eine spezielle Arbeitsweise entwickelt: Die Improvisation und das Mitspielen der Regisseurin aus dem Off.

„LASS ES UNS EINFACH MACHEN!“

Den Plot zu WIR DREHEN KEINEN FILM hatte Ulla Geiger seit 2014 im Kopf. 2015 hat sie Michael Ransburg als Hauptrolle KURT ins Boot geholt und ihn erst mal in einem Kurzfilm „ausprobiert“. Ab da waren sie zu zweit und wollten diesen Stoff umsetzen. Aber wie sollten sie das angehen!? Im Juni 2015 hat Michael dann bei einem Treffen im Cafe gesagt: Wenn wir ewig auf günstige Umstände warten, wird das nie was: LASS ES UNS EINFACH MACHEN!

In einem Schwall von Vorahnung, was da auf sie zukommt (hat sich bewahrheitet!) dachte Ulla Geiger OH GOTT! Zu Hause hat sie aber sofort begonnen, das Drehbuch zu schreiben und die Rollen zu besetzen. Der „KURT-Zug“ war losgefahren, und nach und nach sind immer mehr Leute eingestiegen.

Der Film bekam den Arbeitstitel KURT SUCHT SICH SELBST und wurde als reiner Independentfilm geplant. Er sollte ohne Förderungen und Senderbeteiligung in vollkommen freier Kreativität verwirklicht werden. Förderungen und Sender haben oft bestimmte Vorstellungen, die sich meist an Besucherzahlen und Einschaltquoten orientieren. Es sei ihnen unbenommen, aber so fallen oft unkonventionelle Konzepte und Besetzungen mit unbekannteren Schauspielern durch den Rost. Auch sollte mit Improvisation gearbeitet werden und kann ein Drehbuch ohne Dialoge ein Gremium für Fördergelder überzeugen?!

Projektvorstellung 2015

Bei der Realisierung war viel Glück im Spiel: Glück mit hervorragenden Schauspielern, denen Stoff und Rolle gefielen, mit tollen Motiven, mit kompetenten alten Hasen wie Hans Albrecht Lusznat für die Bildgestaltung, Uwe Bendixen BENDIXEN MEDIA SERVICE für die Postproduktion, Hannes Bertolini für die Musik, und einigen anderen professionellen Mitarbeitern (siehe Menü „Crew“). Da gespart werden musste, war das Team aber sehr klein – was absolut auch entspannende Aspekte haben kann! Ulla Geiger kramte ihre in 10 Jahren Regieassistenz angesammelten Kompetenzen in puncto Dreh-Organisation zusammen und machte selbst die Produktionsleitung und die Motivsuche. Zusätzlich zur Regie war das schon ein Kraftakt! (Einmal musste sie sogar selbst Sandwiches schmieren)

Aber … geschafft!